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LIEDER-WERKBUCH 10
Nun bin ich hier, aber wo bin ich hier eigentlich? - Janis Joplin
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DU ALTE WELT Der Himmel hat geschlossen, weil sich das Unternehmen nicht rentiert. Der Herrgott hat beschlossen, dass er sein Kerngeschäft privatisiert. Die Engel werd‘n entlassen. Wer braucht ihr Licht in dieser Neonwelt? Auch der Teufel kann nicht fassen, dass man ihn für entbehrlich hält. Die gold‘nen Kälber tanzen, denn sie sind noch das letzte, das uns bleibt. Wir leben nach Bilanzen, nach Rhythmen, die die Börse für uns schreibt. Mit blinden Seelen suchen wir das verlor‘ne Abenteuerland und freu‘n mit leisem Fluchen uns auf den nächsten Harry-Potter-Band. Du, alte Welt, in meiner Seele lebst du weiter. Deine Geister und Gespensterreiter. deine Trolle und die Feen haben mich wohl auserseh‘n als den Hort zum Überleben. - Ich will euch Raum und Nahrung geben. Bei mir ist Platz für dich, du, alte Welt. Die Nebel sind gefallen, verschollen ist das alte Avalon mit seinen Ruhmeshallen. Auch Merlin machte sich auf und davon. Er schüttelte im Gehen sein weißes Haupt noch bis zuletzt. - Er konnte nicht verstehen, dass ihn mal ein Computerspiel ersetzt. Du alte Welt … Die Räume sind gemietet für jenes große Epos uns‘rer Zeit. Die Ringe sind geschmiedet, Popcorn und Cola stehen schon bereit. Wir lassen uns entführen für ein paar Stunden, völlig ohne Scham. Jenseits der Kinotüren ist das jedoch schon wieder Kinderkram. Du alte Welt … Text/Musik/Arr.: KT Brandstetter, ©2005/2018
QUARTIER ARTISANS Im Quartier Artisans trinkt der Künstler zur Nacht seinen Whisky und die Nachbarin träumt vor dem Fernseher den Traum von der Pflicht. Irgendwo raucht im Dunkeln des öfteren kräftig ein Schornstein, wer da was in den Ofen steckt, das weiß man nicht. Weiter unten am Fluss gab es kürzlich noch eine Plantage. Wer der Polizei da wohl den Tipp gab, weiß nicht mal der Typ mit dem glasigen Blick, der erzählt, er hat immer sein Messer, weil er weiß, wer nicht hierher gehört. Er kennt den Betrieb. Im Quartier artisans sind die Leute so alt, wie das Fachwerk, das man schamhaft mit Putz und allerlei Schindeln verdeckt. Die windschiefen Giebel erzählen sich schräge Geschichten, doch das Viertel erscheint in keinem Prospekt. Im Quartier artisans geht man trotzig dem Ende entgegen. Wer von hier kommt und auszog, kehrt irgendwann hierher zurück. Der eine beschließt hier erfüllt vom Erfolg seine Tage, und ein andrer begräbt Illusionen und spielt mit dem Strick. Das Quartier artisans liegt im Schatten ehrwürd'ger Gemäuer und ein Ritter regierte hier mal mit eiserner Hand. Die steht heut' im Museum - der Eintritt ist nicht sehr teuer. Sie dient als Beweis für den höheren Stand. Im Quartier artisans sind die Leute so alt, wie die Häuser und man war hier mal Schuster und Hufschmied, vielleicht Kommunist. Die alten Gewölbe wispern im Dunkeln Lateinisch und man lebt hier so klein, so klein, wie man ist. Im Quartier Artisans trinkt der Künstler zur Nacht seinen Whisky und er sucht nach den passenden Worten für dieses Gedicht. Wie die Fledermaus huschen die Bilder an ihm vorüber. Und er schreibt dieses Lied. Wer es hören will, das weiß er nicht. Text/Musik/Arr.: KT Brandstetter, ©2018
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