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LIEDER-WERKBUCH 9
Es ist wahnsinnig schwer, seinen Zeitgenossen geistige Geschenke zu machen. - Franz Marc
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BARFUß DURCHS LEBEN Mit nackten Füßen kommst Du auf die Welt, fast blind und taub vor lauter Licht und Lärmen. Und alles, was in dieser Lage zählt, ist: Jemand muss dich wärmen. Schon bald merkst Du, es reicht nicht, warm zu sein. Das ist die zweite nüchterne Erfahrung. Du fängst dann einfach einmal an zu schrei’n, soll heißen: Hört mal her, ich brauche Nahrung! Und so zweifelst Du schon früh, ob sie gut ist, diese Müh’, diese Welt auf eig’nen Füßen zu erkunden. Doch letztlich ist das schietegal, denn Du hast ja keine Wahl, Du wardst gezeugt und einfach ungefragt entbunden. Man geht immer, immer barfuß durch das Leben, über Sand, Getreidestoppeln oder Moos, über Leichen, heiße Kohlen, im Bestreben, jeder Schritt sei elegant und virtuos. Man geht immer, immer barfuß durch das Leben, ein kleiner Kiesel raubt dir schon das Gleichgewicht. Drum wünscht man sich die Wege aufgeräumt und eben und die Kehrwoche wird zur heil’gen Bürgerpflicht. Mit nacktem Fuß machst du den ersten Schritt. Der will dann meistens nicht so recht gelingen. Du liegst dann auf der Nase und denkst: »Shit, was soll die ganze Lauferei denn bringen?« Doch lässt dich dieses Thema nicht mehr los. Zum ersten Mal merkst du, man muss es wollen. Denn schließlich wärst auch du mal gerne groß und möchtest gern auch andre überrollen. So hast du schon früh erkannt laufen ist ganz schön brisant, denn plötzlich kriegt für dich das Leben eine Richtung. Und während man sich exponiert geschieht es, dass man kollidiert. Und so bedarf es dann und wann mal einer Schlichtung. Man geht immer, immer barfuß … Ab hier geht keiner mehr mit nacktem Fuß. Du lernst nun deinen eignen Strichcode lesen, den sie dir gemäß Bundestagsbeschluss als Kainsmal auf die junge Stirne pressen. Du lernst nun, wie man rechnet, denkt und liest lernst fehlerfrei das Einmaleins zu sagen. Du wirst ein so genannter Realist und stellst ab jetzt nur noch die falschen Fragen.
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Oder du gehst deinen Weg, übernimmst die Hypothek ziehst die Schuhe aus und holst dir schlechte Noten. Ist dann der Ruf erst ruiniert, lebt sich’s bekanntlich ungeniert und ohne Angst vor ruinösen Eingangsquoten. Man geht immer, immer barfuß … Mit nackten Füßen pflügen deine Kinder sich durch den Rasen hinter deinem Haus. Dein Leben wird ab jetzt zu einem Sprinter und eh du dich noch umschaust, ist es aus. Mit nacktem Fuß gehst Du dann aus der Welt, fast blind und taub vor lauter Licht und Lärmen. Und alles, was in dieser Lage zählt, ist: Jemand muss dich wärmen. Es ist besser, du verstehst, dass nur du dich um dich drehst, denn die Welt hat ihre eigene Zentrale. Du bist nur ein kleines Rad, nur die Schnecke im Salat, vom großen Ganzen bist du nur eine Filiale. Man geht immer, immer barfuß durch das Leben, über Sand, Getreidestoppeln oder Moos, über Leichen, heiße Kohlen, im Bestreben, jeder Schritt sei elegant und virtuos. Man geht immer, immer barfuß aus dem Leben, mit großem Bahnhof oder eben namenlos. Falls es kein andrer tut, muss man sich selbst vergeben, sonst ist man auch noch seine letzte Ruhe los. Text/Musik/Arr.: KT Brandstetter, ©1996/2013
WAS ÜBRIG BLEIBT Ein Crossover-Projekt Sprecher: Das Entstehen einer Felskunst in der Dunkelheit tiefer Höhlen während der Kultur des Magdalénien stellt eine in der Geschichte einzigartige Tatsache dar. [...] Die Qualität dieser Kunst ist so hoch, dass man sie als ersten Höhepunkt menschlichen Kunstschaffens betrachtet.  (Julien Ries (1920–2013), Religionshistoriker zit. nach Wikipedia#Höhlenkunst) O-Ton-Einspielung Tim Krohn, ARD-Hörfunkstudio Stockholm, 06.10.2014 15:44 Uhr (Ausschnitt)) Medizin-Nobelpreis für Hirnforscher "Macht Spaß, das Gehirn zu verstehen" Verkündung des Nobelpreises für Medizin. Sprecher: Kinder erfahren den Raum durch Musik und die Musik durch den Raum. Gibt es da Zusammenhänge zum Navigationssystem? Wer forscht? Wen interessiert das? Während des Gitarrenunterrichts fragt mich ein Zweitklässler: »Was ist dein Job? Ich meine: Was arbeitest Du?« (KT Brandstetter) Refrain (gesungen) Ich hoff', Du hast ein Lied geschrieben, // Ein Bild gemalt in Farben deiner Zeit, Du weißt doch, wen die Götter lieben // und Kunst ist das, was übrig bleibt. (KT Brandstetter) Sprecher: Frank sagt mir: »Ich bin Schauspieler, ich kann nichts anderes.« Was er meint ist: Er kann nicht anders. Drei Schauspieler ohne Engagement haben ein Stück geschrieben mit dem Titel: »Die Bretter, die Hartz IV bedeuten.« Ich habe damals kein Hartz IV beantragt. Sie hätten mir sonst meine Gitarren weggenommen. (KT Brandstetter) Refrain (gesungen) Sprecher: In irgendeiner Zukunft mag ein weit von der Erde entferntes Lebewesen eine goldbeschichtete Aluminiumplatte in den Händen halten. Oder eine vergoldete Kupferscheibe. Es wird rätselnd die Abbildungen betrachten, ähnlich wie wir heute noch über Teile jener bis zu 18.000 Jahren alten Höhlenkunst rätseln. Aber es werden Abbildungen sein, die sich ohne weitere technische Hilfsmittel dem Betrachter darbieten. Und wenn er die Botschaften versteht, dann, dann wird er Musik hören. Und erst danach wird er herausfinden, was der Hyperfeinstrukturüberganges des Wasserstoffatoms bedeutet. (Anm.: Die Rede ist von den Pioneer-Plaketten und der Voyager Golden Record) (KT Brandstetter) Konzeption/Text/Musik/Arr.: KT Brandstetter, ©2014
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