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LIEDER-WERKBUCH 8
Man muss sich mit dem Entdecken begnügen und auf das Erklären verzichten. - Georges Braque
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WENN DIE KATZE ERWACHT Wenn die Asche des Tages zerfällt und die Rastlosigkeit ihren Atem anhält, wenn das Waffengeklirr allmählich verstummt, weil die Dunkelheit alles mit Träumen vermummt, Wenn die Katze erwacht, weiß ich: jetzt ist es Nacht. Wenn der Pfad auf den Höhen verschwimmt, und die Sehnsucht Kurs nach Norden nimmt, wenn die Wände näher rücken und das Buch mir erzählt, das Telefon stumm bleibt und mir nichts mehr fehlt. Wenn die Katze erwacht, weiß ich: jetzt ist es Nacht. Die Nächte schweigen, wenn du nichts mehr sagst umhüllen dich freundlich, wenn du nicht mehr jagst, und geben dir, wenn du darum bittest, stilles Asyl. Die Stunden schleichen vorbei an der Uhr, um meine Beine mit Katzengeschnurr und geben mir ganz einfach nur ein gutes Gefühl. Wenn der letzte der Töne verklingt und die Stille mir in Erinnerung bringt dass noch Hoffnungen auf der To do-Liste steh'n und Möglichkeiten sich im Kreis um mich dreh'n, wenn die Katze erwacht, weiß ich: jetzt ist es Nacht. Wenn die Bilder sich langsam sortier'n und sich Zeilen um Zeilen zu Strophen gruppier'n, wenn ich mir Stück für Stück meinen Reim machen kann, weil der Tag sich jetzt liest wie ein Roman, wenn die Katze erwacht, weiß ich: jetzt ist es Nacht. Text/Musik/Arr.: KT Brandstetter, ©2005 2017
 HINTERGRUND-INFO
ZWISCHEN PFARRHAUSWEG UND KIRCHE Zwischen Pfarrhausweg und Kirche, Nabel dieser kleinen Welt, liegt aus Buschwerk eine Nische. Man hat Blumen hingestellt. Hoher Sandstein zum Gedenken, Wehrmachtskreuz ganz obenauf und der Helm, der doch nichts nützte, ist - im Lorbeer - vorne drauf. "Unseren gefall'nen Helden" steht in Stein gemeißelt da, Namen, weiß auf schwarzem Marmor. Tot und glücklich? Gloria! Sagt nichts Böses über Tote! Hier, in dieser kleinen Welt, zwischen Pfarrhausweg und Kirche, weiß man, was das ist: ein Held. Viele hundert Meter weiter aus dem Dorf raus, ganz am Rand, weist ein Schild den Interessierten in verstecktes Niemandsland. Namenlose Steine mahnen, teils schon müde umgeknickt. Hier kann sich der Stolz nicht recken. Dieser Ort hier, der bedrückt. Hier scheint keine Gloriole und der Putz fällt von der Wand. Was man nicht begreifen mag, drängt man lieber an den Rand. Sagt nichts Böses über Bürger! Sie bemühen sich honett. Doch zwischen Pfarrhausweg und Kirche stirbt ein Held nie im KZ. Text/Musik/Arr.: KT Brandstetter, ©1984 2017
HINTERGRUND-INFO
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ZERO Es ist dunkel im Dorf, die Häuser steh'n vage gegen den Lichtsmog am Horizont. Der Bannwald ruht schwarz, wie eine Frage. Nur der Rauch überm Dach zeigt: Das Haus ist bewohnt. Der Himmel ist klar. Heut' Nacht wird es frieren. Die Spinnen sind längst in die Keller gefloh'n. Nichts zu gewinnen und nichts zu verlieren - die Stunden der Stille sind für mich Religion. Die Welt ist nun echt, die Fernseher dunkel, kein blaues Flimmern täuscht Wirklichkeit vor. Ich sehe am Himmel das Lichtergefunkel und habe der Lichtjahre Rauschen im Ohr. Die Menschen sind friedlich nur, wenn sie schlafen, die Menschen sind friedlich, wenn sie denn ruh'n. Es ist dunkel im Dorf. Und in mir gerinnen Ahnung zu Wort und Lärmen zu Klang. Das endlose Spiel kann aufs Neue beginnen, weil Worte zu klein sind und ohne Belang. Der Irrtum ruht nun für ein paar Stunden, Verkleidungen hängen verwaist an der Tür. Der Wille, zu siegen, lässt sich überrunden und niemand steht vor einem andern Spalier. Die Welt ist nun echt. Die Götter sind müde und liegen in warme Decken gehüllt. Am nächtlichen Fluss lausche ich der Etüde der Zeit, die beharrlich die Wurzeln umspült. Die Menschen sind friedlich nur, wenn sie schlafen, die Menschen sind friedlich, wenn sie denn ruh'n. Die Welt ist nun echt, die Fernseher dunkel, kein blaues Flimmern täuscht Wirklichkeit vor. Ich sehe am Himmel das Lichtergefunkel und habe der Lichtjahre Rauschen im Ohr. Die Menschen sind friedlich nur, wenn sie schlafen, die Menschen sind friedlich, wenn sie denn ruh'n. Text/Musik/Arr.: KT Brandstetter, ©2017 2017
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