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LIEDER-WERKBUCH 5
Die Kunst ist nicht Fälschung der Erfahrung, sondern Erweiterung derselben. - Konrad Fiedler
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MACH‘ EIN LEBEN DRAUS Gedämpftes Licht, verbrauchte Luft, frisches Bier auf nackten Tischen. Münzenklappern, Kneipenduft, irg'ndwo hör' ich Kartenmischen. Und die Tagesschau erzählt über Tote - wie so oft -, was der Schmitt von Schmittchen hält und was wer von wem erhofft. Irgendjemand spricht mich an, hält den Kopf in seinen Händen. "Wand'rer, wo warst du so lang?", fragt nach Geschichten und Legenden, nach alter Wut aus alten Tagen, ob sie noch immer in mir kocht. Ich kann ihn trösten, kann ihm sagen, dass er noch immer brennt, der Docht. Da mach' ein Leben draus, mach' ein Leben draus! Gläserklirren, Ängstlichkeit und Blicke, die wie eingefroren, nach langer Einsamkeit zu zweit, sich in ein Dekolletée verloren. Doch selbst der Muschelrest am Strand ist für so manchen winz'gen Floh ein sich'rer Schutz vor Sonnenbrand und so manch' and'rem Risiko. Ich wär' jetzt lieber hier zu zweit, würd' einen weichen Körper spür'n, als zwischen Bier und Ewigkeit Quantenphysik zu diskutier'n. Auch wenn die Freunde grad' versiegen, bau' ich auf Wolken je ein Schloss. Ich lasse mich nicht unterkriegen, der nächste Sommer öffnet seinen Schoß. Drum mach' ein Leben draus, mach' ein Leben draus. Halblautes Raunen hier im Raum lässt einen and're Gäste ahnen, die ihrem angefang'nen Traum hier eine breite Straße bahnen. Besinnlichkeit zerfällt zu Asche, weil, wie aus einer andern Welt, in irgendeiner Manteltasche ein Handy dich zur Rede stellt. Gottlos, wie ich nun mal bin - aus dem Himmel ausgetreten - seh' ich die hübsche Kellnerin und fang' doch plötzlich an zu beten: Meine Hände soll'n nicht schänden, was auch immer sie berühr'n. Was beginnt, soll'n sie vollenden, zu einem guten Ende führ'n. So wird ein Leben draus, wird ein Leben draus. Gedämpftes Licht, verbrauchte Luft, frisches Bier auf nackten Tischen. Münzenklappern, Kneipenduft, irg'ndwo hör' ich Kartenmischen. An jedem Tisch hier sitzt ein Gott, ein unerkannter Philosoph, mit einem ganzen Sack voll Schrott von seinem eig'nen Hinterhof. Früh'r stand mein Urteil felsenfest. Ich sang's mit Marx- und Engelszungen Heut' freu' ich mich weit eh'r der Pest, die ich am eig'nen Leib bezwungen. Wenn es denn stimmt, dass man im Älterwerden weise wird und klug, so sei'n die Jahre meine Kelter und ich dereinst der Wein im Krug. So wird ein Lied daraus, so wird ein Leben draus. Text/Musik/Arr.: KT Brandstetter, ©℗2007
UMSTÄNDEHALBER Umständehalber hab' ich Gewissen abzugeben, es lässt sich doch viel leichter leben, wenn man Moral ein wenig modelliert. Umständehalber hab' ich Charakter zu verkaufen, denn die Geschäfte heute laufen erst ohne wie geschmiert. Umständehalber habe ich Wahrheit feilzubieten, denn Ehrlichkeit ist nur für Nieten. Erfolg braucht etwas Mut zum Risiko. Umständehalber kann ich noch Anstand offerieren. Man muss sich härter bandagieren, sonst fließt nichts ins Portfolio. Es ist das Lied, das schon vor Hunderten von Jahren in Hütten vor der Stadt gesungen ward: Der kleine Mann soll sich die Butter sparen; die Herren speisen derweil à la carte. Umständehalber hab' ich auch Bildung überzählig. Die braucht kein Mensch mehr, denn allmählich zählt nur noch Kapitalmarkt-Effizienz. Umständehalber hab' ich Erkenntnis zu versteigern - denn so als Rufer unter Schweigern gefährdet man die Existenz. Wo ist das Land, in dem die Denker dachten und Dichten nichts für Menschmaschinen war? Ein Algorhitmus darf dein Versmaß schlachten. Denken ist nicht von der Steuer absetzbar. Umständehalber hab' ich zum Schluss noch anzumerken: Man misst den Meister an den Werken. Und irgendwann ist Inventur. (Drum hab' ich …) umständehalber auch noch Gehorsam abzugeben, denn dies, mein eig'nes bisschen Leben ist meine eig'ne Miniatur, trägt meine eig'ne Signatur, ich spiele meine Partitur, ich bin mein eigenes Futur. Und darin bin und bleib' ich stur. Text/Musik/Arr.: KT Brandstetter, ©℗2016
WES SOLLT‘ ICH KLAGEN? Ich hab', was ein Mann braucht: ein Herz und ein Hirn, Kraft, um das Leben zu meistern, ausreichend Geschick, manchen Streich noch zu führ'n, das Glück, dann und wann zu begeistern, hab' hier und dort mal was zu sagen - also, wes sollt ich klagen? Ich hab', was ein Mann braucht, und außerdem, den Wagen mit Pferd, ihn zu ziehen, ein Dach überm Kopf aus Balken und Lehm und nichts davon ist geliehen, hab' was zu beißen und zu nagen - also, wes sollt ich klagen? Ich hab', was ein Mann braucht: ein Herz und ein Hirn, ein Maul, um es laut aufzumachen, den Mut, Obrigkeiten zu bieten die Stirn, und auch mal Streit zu entfachen und ihnen auf den Wams zu schlagen - also, wes sollt ich klagen? Ich hab', was ein Mann braucht: ein bisschen Verstand und Worte genug, ihn zu fassen. Im seidenen Tuch, im Spöttergewand wird er auf das Volk losgelassen. Es gibt noch viel gescheite Fragen - Also, wes sollt ich klagen? Ich hab', was ein Mann braucht: das Wissen darum, dass wir nur glauben, zu wissen, sprech' meine Gebete in Demut und stumm und lass' sie in Bächen verfließen. Ich werd‘ von dieser Flur getragen - also, wes sollt ich klagen? Ich hab', was ein Mann braucht: den wackeren Sohn, der wird mal mein Erbe verwalten. Er gibt mir am Ende die Absolution, wenn meine Glieder erkalten. Und ich hab mein heilig Weib zu tragen - also, wes sollt ich klagen? Text/Musik/Arr.: KT Brandstetter, ©℗2014
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