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LIEDER-WERKBUCH 2
Kunst ist die einzige Freiheit, die uns geblieben ist.  - Gottfried Helnwein
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KATALUNYA Ich hol' nochmal Holz aus der Scheuer - der Wind pfeift wieder so kalt - und ich setze mich näher ans Feuer. Ich glaub' wirklich, ich werd' langsam alt. Doch je älter ich werde, je mehr wird der frühe Zorn wieder erweckt, denn man hat in den Jahren den Kaiser nur in neue Kleider gesteckt. Was hat man nicht alles versprochen: Vergesellschaftung, nie wieder Krieg. Doch die Geldgier ist ungebrochen und feiert heut' Siege um Sieg: Man handelt mit Schulden der Armen, man bescheißt und gefällt sich darin, man bricht Menschen wie Steine aus Felsen und suhlt sich in seinem Gewinn. Man besticht und lässt sich bestechen, man kennt sich und tut sich nicht weh. Man bestraft andrer Leute Verbrechen und speist selbst mit dem Herren Bankier. Man bespitzelt das Volk und man schweigt - aus datenschutzrechtlichem Grund. Oh, Hades, mach's Maul auf und zieh' diese Brut einfach in deinen Schlund. Man verhandelt zum Wohl von uns allen im verschlossenen Paradies. Dann lässt man Posaunen erschallen und verspricht uns das goldene Vlies. Doch am Ende bleibt dreckiges Wasser und verseuchtes Getreide zurück. So werden die uralten Pfade zu Straßen mit Friedhofsblick. Ich geh' nochmal in den Garten, dort bin ich noch mein eigener Herr. Die Revolution muss noch warten - denn es läuft grad »Wer wird Millionär?«. So geh' ich halt eigene Wege, mach's wie jener in Köpenick. Vorwärts ist nicht immer nach vorne. Und rückwärts nicht immer zurück. Ich kenn' einen Ort in den Bergen, und der Alte dort oben im Nest kämpft listig gegen die Schergen dieser ganzen New-Economy-Pest. Bis jetzt ist ihm stets noch gelungen. Er hat das Gesindel versprengt. Und, ihr Götter, ich hoffe, ihr habt ihm dafür das ewige Leben geschenkt. Und sie tanzen die Tänze der Ahnen, tanzen mit leuchtendem Blick, hissen die gelb-roten Fahnen - rückwärts ist nicht immer zurück. Und sie spielen die Lieder im Zorn, spielen mit trotzigem Blick. Vorwärts ist nicht immer nach vorne und rückwärts nicht immer zurück. Ich kenn' einen Ort in den Bergen …  Text/Musik/Arr.: KT Brandstetter, ©2014
DAS ALTE HAUS Das Solarlicht erstirbt langsam, seine Zellen sind schon grau, hinterm Haus summt ostinat der Wühlmausschreck. An der Ecke bröckelt Putz, doch das ist kein Pfusch am Bau, auch der Efeu wächst schon längst über alle Fenster weg. Das Gewächshaus steht in Fetzen, die der Sturm gerissen hat, und im Hochbeet, da schießt irgendwas ins Kraut. Schon zur Hälfte überwuchert ist der schmale Trampelpfad zu dem kleinen Gartenteich, wo sich lang schon nichts mehr staut. In der Küche steht die Wanduhr zwischen irgendwann und vier, denn die Zeit blieb hier vor Jahren einfach steh'n. Niemand da, der sie noch brauchte. Es ist kalt hier und ich frier' und ich sehe deine Träume Stück für Stückchen untergeh'n. Nebenan steht noch das Bett, in dem ich dich zum letzten Mal lächeln sah. Ich weiß genau, es war für mich. Zwischen Müll und Ausgedientem ist es nur noch Holz und Stahl, ohne einen Menschen drin ist es nicht mehr wesentlich. Mancher Fund in deinen Schränken, in deutscher Schrift und Sütterlin, hätte mich schon sehr viel früher interessiert, denn ein wenig von all jenem, was ich war und was ich bin, steckt in jeder dieser Mappen und ist längst vor mir passiert. Und so lächeln mich zerknittert, unbekannt, Gesichter an, namenlose Menschen, die es einmal gab. Diese Wände steh'n am Ende nicht nur deiner Lebensbahn - Du nahmst alle Bilder mit, die ich hier gefunden hab'. Ohne Absicht hast du selber manche Spur von dir verwischt und mir bleibt bei vielem nur Erinnerung - beispielsweise an die Streitgespräche, brausend hoch wie Gischt, um dein ganz spezielles Thema: die Sozialversicherung. Lieber wär's mir oft gewesen, einfach nur bei dir zu sein, einfach sagen können: Ich habe dich gern. Doch dein Leben waren Ziele, nicht das schlichte Glücklichsein. So lebst du heut' in mir fort: preussisch herb mit weichem Kern. Und so sitz' ich zwischen Säcken, zwischen Bergen von Papier, währ'nd der Heizungsmann den Brenner repariert. Grad' wie in der Wartehalle, nachts beim allerletzten Bier, wenn man nicht recht weiß, ob man nur müd' ist oder nichts kapiert. Du hast selbst im hohen Alter dich niemals betagt gefühlt und du suchtest bis zum Schluss die Hintertür, hast nie ernsthaft mit Gedanken an den Sensenmann gespielt, doch: Komm'n und Geh'n ist das Geschäft. Das Dazwischen ist nur Kür. Das Dazwischen ist nur Kür. Text/Musik/Arr.: KT Brandstetter, ©2004/2007/2016
 HINTERGRUND-INFO
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DARF ICH‘S WAGEN? Darf ich's wagen, »Du« zu sagen, vielleicht auch erst zum Dessert? Liebe geht ja durch den Magen, dann fällt's nicht mehr ganz so schwer. Vielleicht sollte ich erzählen, dass dein Bild an einer Wand einer meiner grauen Zellen einen schönen Rahmen fand. Darf ich's wagen, dir zu singen, wo manch einer dran erstickt. Denn ich will dir's rüber bringen, dass in mir was für dich tickt. Und ich will dir etwas schenken, was es nur zu schenken gibt, wenn man aufhört, klar zu denken. Na ja, eben, weil man liebt. Darf ich's wagen, "Du" zu sagen? Ich hab' auch ein Lied für dich. Wie ein Ritter sozusagen üb' ich mich ganz minniglich. Darf ich's wagen, einfach wieder wie ein junger Hengst zu sein. Schließlich handeln Liebeslieder ja schon immer nur vom Frei'n. Darf ich's wagen, dir zu sagen: Ich hab' da ein Lied für dich, 's ist nicht zu dick aufgetragen, fast schon eher liederlich. Darf ich's wagen, "Du" zu sagen? Darf ich auch ein bisschen mehr? Wie viel mehr möcht' ich nicht sagen, zu viel' Leute hör'n grad her. Text/Musik/Arr.: KT Brandstetter, ©2007/2009/2016
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