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LIEDER-WERKBUCH 1
Ich schreibe Texte zu meiner Musik.  Damit sie nicht missverstanden wird.  - KT Brandstetter
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VIELLEICHT WOHNEN

HIER DIE GÖTTER

Wie ein Faden zieht die Straße durch die Berge hoch zum Wind, bis am Pass der Asphalt endet und der Schmugglerweg beginnt. Wohl die meisten sind am Ziel, dreh'n hier oben wieder um. Wir fahr'n weiter in die Mitte dieser Berge Heiligtum. Weite Täler, tiefe Schluchten, freie Pferde, sattes Grün, wie Lametta, diese Bäche, die von Gipfeln talwärts zieh'n. Totes Holz zeigt uns Gesichter, schon gegerbt vor langer Zeit. Und die Frage nach den Jahren verliert ihre Gültigkeit. Diese Stolperpiste abwärts führt uns über Stock und Stein und wir sind in dieser Stille einfach nur für uns allein. Kein Geplärre aus Lautsprechern - dieses tönende Geschmier. Nur die Grillen hört man zirpen. Genau deshalb sind wir hier. Innehalten, wo das Wasser diesen Abweg überspült, wo man früh'r mit Gold und Tieren, heut' wohl auch mit Waffen dealt. Keiner will das wirklich wissen und zu schweigen wird bezahlt. Harte Münze macht nun einmal auch vorm Paradies nicht Halt. Dann das Dorf mit den drei Morden. Die Geschichte kennen wir. Große Schwüre, längst gebrochen. Stärker waren Neid und Gier. Heut' noch drei bewohnte Häuser, alles andere morbid. Und die Berge, ruhig und weise, flüstern uns ihr altes Lied. Kühl fällt es von ihren Höhen und beschließt den heißen Tag. Es erinnert an den alten, längst vergessenen Vertrag: Nimm dem Berg nur, was du brauchst, was du wirklich nötig hast, (denn) wenn er zornig wird, dann schüttelt er dich von sich, wie Ballast. Wie ein Faden zieht die Straße durch die Berge hoch zum Wind, bis am Pass der Asphalt endet und der Schmugglerweg beginnt. Wohl die meisten sind am Ziel, dreh'n hier oben wieder um. Wir fahr'n weiter in die Mitte, mitten ins Refugium. Vielleicht wohnen hier die Götter. Vielleicht stimmt das alte Wort. Vielleicht ist auf diesen Gipfeln auch ihr letzter Zufluchtsort. In den Tälern hat die Menschheit schon die Schandfeuer entfacht und betet zu Gott Mammon vor ihrer letzten Schlacht. Text/Musik/Arr.: KT Brandstetter, ©2014/2014
ABEND AM FLUSS Die letzte Träne treibt den Fluss hinunter, befreit ein kleines Lächeln im Gesicht. Ein Feuer knistert flackernd rot und munter. Vergessen schon das letzte Tageslicht. Die Bäume breiten fingernd ihre kleinen Dächer aus, bereit zu mancher kecken Teufelei. Das Blatt im Wasser schwimmt schon mal den nächsten Tag voraus, der Mond schickt einen Elfenstrahl vorbei. Ein unbenutzter Traum liegt bei den Booten und wartet, dass ein Schläfer ihn sich holt. Mit Nebel tarnen sich die Götterboten, die kleinen Recken hab'n sich längst getrollt. Die Spinnen breiten ihre Netze über Zeit und Raum, stets hoffend auf die Ahnungslosigkeit. Das Stirb und Werde hüllt sich neben mir in weichen Flaum, und Grillen zirpen eine Möglichkeit. Die Hoffnung, diese ewig Nimmersatte, träumt säuselnd unterm Schilf von Tatendrang. Ein leises Fließen hüllt uns hier in Watte und um uns sirrt der Nymphen Lobgesang. Kaum hörbar schnarrt der Entenmann sein kleines Lied zur Nacht all denen, die er gerne mal betört. Gedankenfetzen stolpern und verweilen ungedacht, und niemand hier, der meine Kreise stört. Die Ewigkeit schmiegt sich in jede Ritze, erzählt mir, dass auch sie vergänglich ist. Die Zeit malt eine unverstand'ne Skizze, die sich im Morgentau langsam vergisst. Ein Ende grüßt den Anfang in Schwerelosigkeit, Abschied ist doch nur ein Augenblick. Die Träne treibt im Wasser und verliert sich in der Zeit - und kommt dereinst als Tautropfen zurück. Text/Musik/Arr.: KT Brandstetter, ©2009/2014
STILLE NACHT Im Schaufenster liegt Kunstschnee und wir merken: Es wird Winter. Und überall sieht man es steh'n - das Kind aller Kinder. Als Puttenengel dargestellt, mit barocker Rundung, so liegt es wohlgenährt im Stroh zu unserer Gesundung. An Fenstern wuchern Sterne und das Rentier zieht den Schlitten. Eisblumen hängen in der Stadt, aus Folie ausgeschnitten. Stille Nacht, stille Nacht, still, weil's Kindlein schlafen will. Die Kinder basteln Engel aus Watte und aus Goldpapier. Und irgendwie wird's enger, kein Platz mehr zwischen dort und hier. Terminkalender sind ganz prall von weihnachtlicher Fülle - ich mach' 'ne rote Schleife drum zum Zeichen der Idylle. Geschäfte haben länger auf, locken mit Engelszungen und einem roten Weihnachtsmann, aus Disneyland entsprungen. Stille Nacht, stille Nacht, still, weil's Kindlein schlafen will. Die Kirche liegt verlassen zwischen Propolis und Wintertee, der Pfarrer kämpft um Quoten - er predigt in der ARD. Der Chor probt schon seit Wochen das Weihnachtsoratorium und hofft für seine Aufführung auf andächtiges Publikum. Wir eilen von Besinnung zu Besinnungslosigkeit, fahr'n ohne Bremsen in'n Advent mit Höchstgeschwindigkeit. Stille Nacht, stille Nacht, still, weil's Kindlein schlafen will. Schnee schippen früh am Morgen, der Atem friert im Bart zu Eis. Im Schneesturm Brot besorgen, der Kaffee dampft schon schwarz und heiß. Zaunpfähle tragen Mützen. Ganz kleine weiße Tränen weint eine stolze Steinfigur, speit Eis in langen Strähnen. So holt sich die Natur zurück, was einmal Kitsch gewesen. Ich geb' dem Feuer noch ein Stück und setz' mich hin zum Lesen. Stille Nacht, stille Nacht, still, weil's Kindlein schlafen will. Text/Musik/Arr.: KT Brandstetter, ©2004/2013
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